05.11.2013

Zum Mordfall Kubaşik

Die Vernehmung der Ehefrau des ermordeten Mehmet Kubaşik, Frau Elif Kubaşik, und ihrer Tochter Gamze Kubaşik machte ein weiteres Mal deutlich, dass die ermittelnden Polizeibeamten nicht nur unsensibel und unangemessen gegen die Angehörigen der Ermordeten vorgingen, sondern zu keinem Zeitpunkt ein rassistisches Tatmotiv auch nur in Betracht zogen. Am Tag nach dem Mord wurde beispielsweise die Wohnung der Familie mit Polizeihunden durchsucht, die damals 20-jährige Tochter Gamze wurde direkt nach der Tat zu möglichen PKK-Kontakten befragt, außerdem zu einer angeblichen Affäre ihres Vaters und ähnlichen beleidigenden und wenig zielführenden Verdächtigungen gegen das Tatopfer.

Wohlleben-Verteidiger Klemke gab sich alle Mühe, sein Image als unsympathischer „Rechts“-Anwalt auszubauen, indem er versuchte, die Schuld für die Traumatisierung der Familie nach dem Mord türkischen NachbarInnen zuzuschieben.

Eine Zeugin aus Dortmund beschrieb, dass sie direkt vor dem Mord zwei Männer vor dem Kiosk des Mehmet Kubaşik gesehen hatte, einer mit Fahrrad, einer zu Fuß. Diese Männer hätten ihr Angst gemacht. Gegenüber der Polizei hatte sie angegeben, es seien „Junkies oder Nazis“ gewesen.

Ein Rechtsmediziner berichtete vom Ergebnis einer Blutspurenanalyse: Die Mörder hatten zunächst zwei Schüsse auf Mehmet Kubaşik abgegeben, einer davon traf ihn ins Auge. Er ging dann in die Knie, es wurden zwei weitere Schüsse abgegeben, von denen wiederum einer traf.

Mit Spannung erwartet werden am Mittwoch und Donnerstag die Vernehmungen von Personen aus dem Umfeld der ostdeutschen Naziszene, die an der Beschaffung der Mordwaffe Ceska beteiligt gewesen sein sollen. Möglicherweise werden einige von ihnen die Aussage verweigern, weil gegen sie noch ermittelt wird.

Spannung verspricht auch die Vernehmung des leitenden Polizeibeamten Menzel zur „Zusammenführung der Ereignisse am 04.11.2011 Eisenach (Wohnmobil) und Zwickau (Brand Frühlingsstr.)“.  Menzel soll unter anderem Auskunft darüber geben, welche Dienste direkt nach dem Banküberfall in Eisenach vor Ort waren.