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01.08.2013

Polizei Nürnberg sah „keine konkreten Hinweise“ auf rassistische Gesinnung der Morde

Neben einem ersten Zeugen im Mordfall Turgut, dessen Aussage aber wenig erbrachte, war heute der Ermittlungsleiter der Nürnberger Polizei in den Mordfällen Şimşek und Özüdoğru geladen. Die von ihm geführten Ermittlungen hatten eine mögliche rassistische Motivation völlig außer Acht gelassen. Gerade im Fall Şimşek war vor allem gegen die Familie und ihr Umfeld ermittelt worden. Daher war abzusehen, dass er sich der Kritik der Nebenklage würde stellen müssen. Zwei Angehörige von Enver Simsek verfolgten die Aussage im Gerichtssaal.

Der Zeuge schien noch immer v.a. auf die vermeintlichen Verdachtsmomente gegen Enver Simsek und dessen Umfeld konzentriert zu sein – jedenfalls musste der Vorsitzende ihn ausdrücklich bitten, doch auch etwas zum Getöteten als Person zu sagen. Der Gedanke nach einer möglichen rassistischen Motivation der Taten wurde jahrelang nicht verfolgt – weil keine konkrete Spur vorgelegen habe, so der Kriminalbeamte.

Die Fragen der Nebenklage Şimşek konzentrierten sich v.a. darauf, festzustellen, dass alle Ermittlungsansätze gegen Enver Şimşek selbst sich als falsch erwiesen hatten. Der Zeuge wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu späteren Ermittlungen befragt werden; es ist zu erwarten, dass dann weitere Fragen folgen werden.

Die Verteidigung konnte zur Befragung wenig beitragen. So fragte die Verteidigung Wohlleben etwa, welcher Prozentsatz von Mordtaten durch Angehörige begangen werde – etwa 60 bis 70 Prozent, so der Zeuge. Wie absurd diese Frage war, zeigte Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Narin auf mit der Frage, welcher Prozentsatz von Serienmorden Beziehungstaten seien. Da sei ihm kein Fall bekannt, so der Zeuge. Und der Verdacht, dass es sich um Serienmorde handelte, kam binnen weniger Tage nach dem Mord an Özüdoğru, das heißt relativ am Anfang der langjährigen Ermittlungen, auf.