23.09.2013

Zum Mordfall Süleyman Taşköprü – „Gott komm zu Hilfe“

Der Verhandlungstag begann mit der Vernehmung eines Ermittlungsbeamten der Hamburger Polizei. Diesem hatte der Vater des Ermordeten zwei deutsche Männer beschrieben, die aus dem Laden gekommen waren. Am Tag nach der Tat habe sich auch bereits ein Nürnberger Polizeibeamter gemeldet und von den dortigen Morden berichtet. Einen Tag darauf habe sich bestätigt, dass bei dem Mord in Hamburg dieselbe Tatwaffe verwendet worden war wie in Nürnberg. Von der Staatsschutzabteilung oder dem Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz habe er während der gesamten Mordermittlungen keine Rückmeldung erhalten. Trotz der Verbindung nach Nürnberg habe es keine Ansätze für eine Spur in Richtung Rechtsradikalismus gegeben. Da es keine Personenbeschreibung gab, habe es auch keinen Ansatz für Ermittlungen in Richtung Rechtsradikalismus gegeben.

Dieses Vorgehen ist ein eindeutiges Beispiel für den institutionellen Rassismus, der die gesamten Ermittlungen bestimmt hat. Die Polizei ging vagen Hinweisen auf angebliche Verstrickungen der Getöteten in kriminelle „ausländische“ Milieus nach und verwandte hierauf erhebliche Energie; gleichzeitig fing sie, obwohl eine rassistische Motivation bei einer Mordserie gegen migrantische Männer mehr als nahe liegt, gar nicht erst an, in Richtung möglicher Nazitäter zu ermitteln. Hierbei handelt es sich erkennbar nicht um eine bloße Ermittlungspanne, sondern um eine bewusste Entscheidung. Diese nun im Nachhinein damit zu begründen, man habe keine exakte Täterbeschreibung gehabt, zeigt, vorsichtig gesagt, von wenig Problembewusstsein – heißt das, die Kriminalpolizei in Deutschland ermittelt bei möglicherweise rassistisch motivierten Taten nur dann gegen Neonazis, wenn ihr diese auf dem Silbertablett serviert werden?

Ein Rechtsmediziner beschrieb die Schussverletzungen. Mit einer Waffe des Kalibers 7.65, dem Kaliber der Ceska, sei vorne seitlich in den Kopf geschossen worden, mit einem kleineren Kaliber 6.35 seien zwei Schüsse in den Hinterkopf abgegeben worden.

Der Vater von Süleyman Taşköprü beschrieb die dramatischen Folgen des Mordes für die Familie, insbesondere auch für die Tochter des Ermordeten. Er hatte seinen Sohn nach der Tat schwer verletzt gefunden.

Eine weitere Zeugin bestätigte diese Situation. Sie hörte den Vater rufen „Gott komm zu Hilfe“ und war deshalb in den Laden gegangen. Bereits zeitgleich mit der Polizei sei auch ein Reporter eingetroffen, der Krankenwagen sei zuletzt gekommen. Dieser Reporter machte so respektlos Fotos, dass die Zeugin ihn mit Eiern bewarf. Daraufhin wurde sie – und nicht der übergriffige Journalist – von der Polizei nach Hause geschickt.