06.05.2014

Ein Jahr NSU-Prozess – Zschäpe krank

Mit zahlreichen Unterbrechungen verging der heutige Verhandlungstag insgesamt, ohne dass tatsächlich verhandelt wurde. Nach 20 Minuten Zeugenvernehmung wurde die Hauptverhandlung auf Bitten der Verteidigung Zschäpe unterbrochen. Weitere Unterbrechungen folgten. Am frühen Nachmittag wurde klar, dass Zschäpe morgens ein Schreiben erhalten hatte, das ihr „Übelkeit“ verursachte. Um was für ein Schreiben es sich handelt, wollte sie dem untersuchenden Arzt nicht mitteilen.

Es kann vermutet werden, dass es sich um die Mitteilung des Gerichts handelt, dass drei ihrer Briefe an den inhaftierten Neonazi Robin Schmiemann beschlagnahmt werden sollen. Sie sollen für ein linguistisches Gutachten verwendet werden, das die Nebenklage beantragt hatte. So sollen sprachliche Übereinstimmung von NSU-Veröffentlichungen mit Zschäpes Briefen festgestellt werden. Eine öffentliche Behandlung der sehr persönlich gehaltenen Briefe ist für Zschäpe wahrscheinlich schwer zu ertragen, weil sie ihrem „Kameraden“ vieles sehr offen schildert, was für die Bewertung ihrer Persönlichkeit hilfreich sein dürfte.

Die Verhandlung endete schließlich mit einem Befangenheitsantrag der Verteidigung Zschäpe gegen den Gerichtsarzt. Über diesen Antrag wird das Gericht ausserhalb der Hauptverhandlung entscheiden.