Archiv für den Tag: 22. Juli 2014

22.07.2014

„Wir haben selten oder nie so nette Menschen kennengelernt, für uns war es undenkbar, dass die einer Ameise etwas zu leide hätten tun können…“

Nach der Ablehnung des Antrages der Angeklagten Zschäpe auf Entpflichtung ihrer VerteidigerInnen wurden zwei junge Frauen befragt, die mit ihren Familien 2007 bis 2011 ihre Sommerurlaube an der Ostsee gemeinsam mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verbracht hatten. Beide Frauen schilderten übereinstimmend, wie freundlich, nett und hilfsbereit die Drei in diesen Urlauben waren. Die Familien und ihre „Ossis“ hätten sich zu einer engen Urlaubsgemeinschaft entwickelt. Auch über das Jahr kam es zu Besuchen, die „Drei“ hätten beispielsweise Pakete mit Ostprodukten als Geschenke vorbeigebracht.

Für die jungen Frauen hatte „Lieschen“ Zschäpe eine besondere Rolle, da sie sich mit ihr besser als mit ihren Eltern über persönliche Dinge hätten unterhalten können. Daran habe auch die antifaschistische Grundeinstellung einer der beiden, die sich auch in einem Antifa-Aufnäher auf ihrer Tasche ausdrückte, nichts geändert. Beide Frauen zeigten sich erschüttert und teilweise verzweifelt darüber, dass die drei Personen, die sie in ihr Herz geschlossen hatten, solche Verbrechen begangen haben. Ihre Wut über diesen Vertrauensbruch formulierte eine der beiden wie folgt: „Ich kann es bis heute nicht verstehen, ich habe denen zu 100% vertraut und ich habe bemerkt, dass sie mich von vorne bis hinten belogen haben, ich habe mich gefragt, mochten sie mich wirklich, oder haben sie mich auch da nur verarscht.“

Es wird nicht nur deutlich, dass die Drei über die Jahre eine perfekte Tarnung entwickelt hatten. Klar ist auch, dass sie ein Bedürfnis nach persönlicher Nähe zu „normalen Menschen“ hatten. Am spannendsten ist aber, dass die völkisch-rassistische Ideologie, die zu den Morden des NSU führte, es den NSU-Mitgliedern gleichzeitig ermöglichte, ein gutes Verhältnis zu anderen „Deutschen“ zu entwickeln, selbst wenn diese Nazis ablehnten. In der Mitte der „Volksgemeinschaft“ verhielt man sich, wie schon die historischen Naziverbrecher, durchaus anständig und liebenswert-freundlich, die mörderische Wut und der Hass waren rassistisch motiviert. Hier waren also keine durchgedrehten Mordmaschinen am Werk, sondern politisch motivierte Nazis und Rassisten.

22.07.2014

Mit Verfügung vom 21. Juli 2014 wurde der Antrag der Angeklagten Zschäpe vom 16.07.2014 auf Ablösung ihrer Pflichtverteidiger abgelehnt. Zschäpe habe keine für solch eine Entscheidung ausreichenden Gründe vorgetragen. Im Anschluss ging der Vorsitzende gleich zur Tagesordnung über und begann die erste Zeugenvernehmung.