04.07.2013

Katastrophale Ermittlungsarbeit produziert katastrophale Verhandlungstage

Die erste Hälfte des Verhandlungstages spiegelte die schlechte Qualität der polizeilichen Ermittlungen in den Gerichtssaal.

Carsten Schultze hat angegeben, eine Waffe mit Schalldämpfer, von der er vermutet, dass es die Ceska war, an Böhnhardt und Mundlos übergeben zu haben. Er gab an, bei einer Befragung seien ihm schlechte schwarzweiß-Kopien von verschiedenen Waffen vorgelegt worden. Bei einer weiteren Vernehmung seien ihm verschiedene Waffen vorgelegt worden. Eine eindeutige Identifizierung einer Waffe als diejenige, die er gekauft und an „die Drei” weitergegeben hat, konnte er nicht vornehmen.

Ein Polizeizeuge, der bei einer Vernehmung des Angeklagten Gerlach beteiligt war, bei der diesem Waffen vorgelegt wurden, brachte eine Kiste Waffen mit in den Gerichtssaal. Diese Waffen, so stellte sich erst im Verlauf der Vernehmung heraus, waren zwar typgleich mit denjenigen Waffen, die Gerlach seinerzeit vorgelegt wurden – aber es waren eben nicht dieselben Waffen, möglicherweise hatten die damals gezeigten Waffen sogar andersfarbige Läufe bzw. Griffe. Die Befragung war daher insgesamt nutzlos.

Diese schlampige Ermittlungsarbeit wird aber keinen Einfluss auf das Ergebnis des Prozesses haben. Denn klar wurde jedenfalls, dass Schultze sich ganz sicher an eine Pistole mit Gewinde für einen Schalldämpfer erinnerte. Die einzige solche Pistole, die dem NSU zur Verfügung stand, war aber gerade die Ceska, mit der die Morde begangen wurden. Dies dürfte für eine Identifizierung der von Schultze und Wohlleben besorgten Waffe als der Mordwaffe ausreichen.

Ein weiterer Polizeizeuge berichtete von den ersten Vernehmungen mit Gerlach. Dabei wurde deutlich, dass Gerlach immer nur das zugab, von dem er vermuten musste, dass es der Polizei ohnehin bekannt war. Da Gerlach später gegenüber dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof lange Aussagen gemacht hat, die im Prozess verlesen werden können, wird noch weiter deutlich werden, wie er Schritt für Schritt immer mehr preisgab, nachdem ihm bewusst war, dass erst mit seinen Ausweispapieren die Begehung zahlreicher Morde möglich wurde.