09.07.2013

Zu früheren Aussagen von Holger Gerlach

Am Vormittag wurde der Staatsanwalt beim Generalbundesanwalt Dr. Moldenhauer vernommen. Beweisthema waren vor allem Aussagen des Angeklagten Holger Gerlach beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs. Gerlach hatte „den Drei“ mehrfach Personalpapiere zur Verfügung gestellt. Diese waren unter anderem zur Anmietung von Wohnmobilen für die Mordanschläge und Überfälle des NSU verwendet worden. Unter anderem hatte Gerlach noch im Jahr 2011 einen neuen Reisepass ausstellen lassen mit einem Bild, auf dem er Uwe Böhnhardt sehr ähnlich sah. Für das Foto hatte er extra sein Aussehen verändert.

Gegenüber dem Zeugen gab Gerlach an, zu diesem Zeitpunkt sei er davon ausgegangen, dass kein Haftbefehl gegen „die Drei“ mehr bestanden habe. Er habe in der Zeitung gelesen gehabt, die ursprünglich vorgeworfenen Taten seien verjährt. Sie hätten ihm außerdem erzählt, sie würden einen Computerladen betreiben. Zu den Treffen seien sie mit teuren, neuen Autos gekommen.

Wenn Gerlach allerdings davon ausging, dass „die Drei“ gar nicht gesucht wurden und auch über Geld verfügten, muss er sicher damit gerechnet haben, dass diese seine Papiere zur Begehung von ideologisch ausgerichteten Straftaten verwenden würden – dies umso mehr, als er, wie er dem Zeugen erzählte, bereits vor mehr als zehn Jahren „den Dreien“ gesagt hatte, man könne „nicht mit fünf Leuten die Welt retten.“

Was die Übergabe einer Pistole, die er von Wohlleben erhalten hatte, an „die Drei“ betrifft, versuchte sich Gerlach gegenüber dem Zeugen abwechselnd mit den Schutzbehauptungen herauszureden, er habe entweder gar nicht in den Beutel geschaut, den er erhalten habe, oder er habe keine Möglichkeit gesehen, die Waffe „wegzuschaffen“, ohne jemanden zu gefährden.

Relativ überraschend stellte die Verteidigung Eminger den Antrag, diesen und seine Verteidiger von den Verhandlungstagen zu beurlauben, an denen Tatkomplexe verhandelt werden, an denen Eminger eine direkte Beteiligung nicht vorgeworfen wird. Da alle der verhandelten Taten durch eine terroristische Vereinigung begangen wurden, deren Unterstützung Eminger vorgeworfen wird, ist dies ein wenig aussichtsreicher Antrag.

Am Ende des Verhandlungstages berichteten zwei Polizeizeugen von der Auffindesituation des ermordeten Enver Şimşek, der in seinem Blumenverkaufsladen erschossen wurde.